Kurze Frage (2)

Verfasst 6. Mai. 2009 von bookhouse boy
Kategorien: Beobachtungen

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Heute morgen informierte mich die ausführliche Nachrichtensendung um 8:30 Uhr auf B5 aktuell, dem „Informationsradio des Bayerischen Rundfunks“, darüber, dass ein 34-jähriger Sozialarbeiter aus Großbritannien den „besten Job der Welt“ ergattert habe und dementsprechend jetzt für ein halbes Jahr schnorcheln und bloggen darf/muss.

Aber noch bevor ich mein Radio anschnauzen konnte, „das ist doch keine Nachricht!“, ging es weiter. Der Sprecher von B5 fuhr mit seiner an Sonorität grenzend seriösen Stimme fort: „Der australische Bundesstaat Queensland schätzt, dass er mit dieser Kampagne bisher Gratis-Publicity im Wert von umgerechnet € 80 Millionen erhalten hat.“

Ja. Eben. Von Sendern wie B5 aktuell.

Darum meine Frage: Liebes B5, hast du mir wirklich gerade mitgeteilt, dass du eine Nicht-Nachricht in deiner Hauptnachrichtensendung verbreitest, das aber absolut okay ist, weil du ja weißt, dass du auf eine PR-Kampagne reingefallen bist?

(Und bevor jetzt einer Schlaumeier spielt, natürlich habe ich jetzt auch meinen Teil beigetragen. Aber auf die zwölf Leute, die dieses Blog lesen, kommt es jetzt auch nicht mehr an.)

Kurze Frage (1)

Verfasst 1. Feb. 2009 von bookhouse boy
Kategorien: Beobachtungen

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Vor ein paar Jahren kam raus, dass die ARD in ihren zeitlosen Klassikern Marienhof und In aller Freundschaft offenbar insgesamt 117-mal nicht zu knapp Geld dafür kassiert hat, dass sie dort Schleichwerbung platziert hat. Und weil einerseits Schleichwerbung in Deutschland Schleichwerbung ist und sowas-von-bäh und auf keinen Fall Product Placement oder, Gott bewahre, Product Integration; und  weil andererseits die altehrwürdige ARD natürlich über solche schmuddeligen, die Zuschauer veräppelnden Methoden erhaben sein muss – darum war das damals für ein paar Wochen ein ganz schönes Drama, und alle haben sich furchtbar aufgeregt.

Ich erwähne das nur, weil ich gern mal fragen würde: Wenn die Morgenshows der ARD-Servicewellen praktisch nur noch aus Lotto bestehen und die, ähem, populären Magazine von ARD und ZDF wie Brisant und Hallo Deutschland eine journalistisch unnötige Lotto-MAZ an die nächste Reihen… wieso ist das dann keine Schleichwerbung?

Retcon me. Retcon me now.

Verfasst 9. Dez. 2008 von bookhouse boy
Kategorien: Tagebuch

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Wisst ihr, was ein Retcon ist? Nein? „Retcon“ ist die Abkürzung für „retroactive continuity“ und meint das, was passiert, wenn sich die Autoren einer wie auch immer gearteten fiktionalen Serie (Fernsehen, Comics, Bücher, Filme…) plötzlich entscheiden, dass sie eine ganz tolle Idee haben, die nur leider nicht zu all dem passt, was bisher geschah.

Also ändern sie einfach die Vergangenheit ihrer Geschichte(n), als würde sich niemand daran erinnern. In amerikanischen Seifenopern passiert so etwas ständig: „Wisst ihr noch, wie Jessica 1983 eine Abtreibung hatte… was wäre, wenn sie in Wirklichkeit keine Abtreibung hatte, sondern ihren Fötus in einer experimentellen  Operation in die Gebärmutter ihrer unfruchtbaren Halbschwester einpflanzen ließ, von der bisher noch nie jemand etwas gehört hat… dann könnte sie jetzt einen 25-jährigen Sohn haben! Wäre das nicht eine gute Idee für eine Story?“

Die Geschichte bleibt dabei so eben noch mit einem Finger am äußersten Rande der Plausibilität hängen, denn sonst müsste man sich die Mühe ja gar nicht machen. („Fans, das ist Jessicas erwachsener Sohn. Deal with it.“)

Heute hatte ich dann das Gefühl, als wäre ich selbst in einen kleinen Retcon geraten, und zwar in der Realität. Die Sache ist die: Ich habe letztes Jahr mit einer Hyposensibilisierung begonnen, gegen Birken- und Gräserpollen. Dachte ich jedenfalls. Heute war dann die zweite Runde um. Dachte ich jedenfalls.

Die Arzthelferinnen waren anderer Meinung. „Nein, nein, jetzt kommen ja erst noch die Gräserpollen.“

Ich: „Äh? Die neun Wochen sind doch um?“

„Ja, für die Birkenpollen. Aber jetzt kommen noch die Gräserpollen.“

„Aber letztes Jahr waren es doch auch nur insgesamt neun Wochen?“

„Nein… Sie sind bloß nach den ersten neun Wochen nicht mehr wiedergekommen.“

Da war ich dann erstmal perplex.

Mir war ursprünglich gesagt worden, die Hyposensibilisierung dauere neun Wochen pro Winter. Okay, vielleicht meinte der Arzt, neun Wochen pro Allergen und Winter und hat sich nur blöde ausgedrückt.

Nach neun Wochen habe ich letztes Jahr sicherheitshalber gefragt, ob das das letzte Mal war, was bejaht wurde. Okay, vielleicht meinten sie, das letzte Mal für dieses Allergen.

Als ich die zehnte und elfte Woche nicht zur Behandlung kam, hat sich offenbar niemand gewundert und mal bei mir angerufen. Okay, vielleicht haben sie es erst nicht gemerkt, und dann war der Winter vielleicht auch schon vorbei.

Als ich diesen Herbst zurückkam für die zweite Runde, hat niemand auch nur ein Wort darüber verloren, dass da immer noch mein Gräserallergenpräparat vom letzten Jahr beim Arzt im Kühlschrank liegt. Okay, vielleicht fanden sie das nicht erwähnenswert.

Als ich dem Arzt meinen Allergiekalender gezeigt habe – wofür mir selbstverständlich „Beratung, auch telefonisch“ in Rechnung gestellt wurde – und wir ausgiebig darüber gesprochen haben, dass sich meine Allergien ja schon gebessert haben, ja aber auch wenig Pollen geflogen sind im letzten Sommer, etc. — da hat er sich nicht gesagt, „Ja, wundern Sie sich doch nicht über den Anfall im Juli; Sie sind ja noch gar nicht gegen Gräser hyposensibilisiert.“ Okay, vielleicht war ihm das in dem Moment auch gar nicht klar.

Ist es möglich, dass es so abgelaufen ist? Ja, absolut. Ist es plausibel? Naja.

Klassischer Retcon.

Den ganzen verdammten Sommer lang

Verfasst 1. Nov. 2008 von bookhouse boy
Kategorien: Beobachtungen

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Ich erwarte von den deutschen Mainstream-Radiosendern, sei es öffentlich-rechtlich oder privat, ja nun ohnehin nicht viel. Die sind so oft so sehr damit beschäftigt, bei niemandem anzuecken, dass sie zu gar nichts anderem mehr kommen. Aber ihr größtes Problem: Sie wissen einfach nicht, wann sie aufhören müssen.

Kennt ihr das? Im Mai, vielleicht im Juni hört man einen neuen Song im Radio und denkt sich: Och ja, der ist ja ganz nett. Beim dritten oder vierten Hören fängt man vielleicht an, ein bisschen mitzusingen, weil man inzwischen den einen oder anderen Brocken vom Text aufgeschnappt hat. Der Song schleicht sich langsam ins eigene Gedächtnis ein und man verschwendet, wie so oft, einiges an Speicherkapazität des Gehirns auf das Auswendigwissen der lyrics.

Dann hört man den Song wieder. Und wieder. Und wieder. Und wieder.

Es wird August. Inzwischen hat man das Gefühl, den Song öfter gehört zu haben als den eigenen Vornamen.

September. Es ist nicht mehr zu ertragen. Man schaltet den Sender um, wenn man nur die ersten Akkorde hört.

Oktober. Man zweifelt an sich selbst und fragt sich, wie man diesen Dreck jemals gut finden konnte. Und warum haben die Radiosender überhaupt damit angefangen, den Song zu spielen? Ganz zu schweigen davon, dass sie das immer noch tun, fünf Monate später, scheinbar ungefähr einmal pro Stunde.

November. Ernsthaft jetzt, immer noch? Ein durchschnittlicher Radiohörer muss den Song inzwischen grob überschlagene 300-mal gehört haben. Reicht das nicht fürs Erste? Können wir dem Titel vielleicht mal eine kleine Pause gönnen, vielleicht so bis 2020? Nein? Okay, wenigstens bis Weihnachten? Auch das nicht? Okay, wo ist mein MP3-Player…?

Das scheint jedes Jahr zu passieren, aber dieses Jahr kommt es mir besonders schlimm vor, darum hier mein Aufruf an alle Radiosender, denen die geistige Gesundheit ihrer Hörer zumindest ein bisschen am Herzen liegt:

Hört endlich, endlich auf, „All Summer Long“ zu spielen!

Hey, can I call you Joe?

Verfasst 3. Okt. 2008 von bookhouse boy
Kategorien: Politik

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Ich persönlich habe es ja wirklich nicht so sehr mit dem Alkohol, aber nachdem ich mir die Debatte der amerikanischen Vizepräsidentschaftsbewerber im Internet angesehen habe, kann ich gut nachvollziehen, warum sich der eine oder andere dabei dem Alkohol zuwenden möchte.

Darum hier, ohne weitere Umschweife, das Vizepräsidenten-Trinkspiel. Das funktioniert so: Man sieht sich die Debatte an und trinkt jedesmal einen Schluck (oder ein Glas, je nachdem, wie leidensfähig man ist), wenn:

– man sich für Sarah Palin fremdschämt (der erste Schluck findet dann für meisten Mitspieler direkt beim „Einzug“ der Kandidaten statt, als Sarah Palin ihren Gegner fragt: „Hey, can I call you Joe?“, und endet frühestens, wenn sie zum Ende hin die Drittklässler grüßt, die von ihrem Bruder unterrichtet werden);

– wenn Sarah Palin in die Kamera zwinkert;

– wenn Joe Biden etwas lieber zweimal sagt („let me say this again“);

– wenn Sarah Palin sich in einem Satz als „Bürgermeisterin und Gouverneurin“ bezeichnet;

– wenn Sarah Palin sich oder John McCain als „maverick“ („Querdenker“) bezeichnet;

– wenn Sarah Palin auf ihre unnachahmlich volksnahe Weise „you betcha“ oder „darn right“ sagt (eigentlich möchte man gleich „darn rite“ schreiben);

– wenn Sarah Palin „nukelar“ statt „nuclear“ sagt (bei dieser Regel sollte man besser auf Fruchtsaft umsteigen, wenn man keine gesundheitlichen Gefahren eingehen will);

– wenn Joe Biden sich als „bipartisan“ („parteiübergreifend“) bezeichnet oder erwähnt, wie gern er John McCain hat;

– wenn einer der beiden das bisherige Abstimmungsverhalten des anderen oder von John McCain oder Barack Obama erwähnt (gleich zwei Schlucke, wenn Joe Biden daraufhin Sarah Palin daran erinnern muss, dass John McCain in der Sache genauso abgestimmt hat wie Barack Obama);

und wenn man dann immer noch besoffen genug ist, um die ganze Debatte schnell wieder zu verdrängen:

– jedesmall, wenn einen das Gefühl beschleicht, dass das doch eigentlich gar nicht Sarah Palin sein kann, sondern vermutlich Tina Fey, die Sarah Palin parodiert.

EBU verbietet ARD olympischen Livestream

Verfasst 9. Aug. 2008 von bookhouse boy
Kategorien: Beobachtungen

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Vor ein paar Tagen hat das ZDF nicht eben mit Kompetenz geglänzt, als es erst kurz vor Ausstrahlung bemerkte, dass es momentan gar keine Lizenzrechte hat, die amerikanische Serie Veronica Mars im ZDF-Dokukanal zu zeigen. Und gestern hat dann die ARD unter Beweis gestellt, dass sie auch nicht gerade die Hellsten sind, wenn es darum geht, Material lizenzgemäß zu verwenden.

Die New York Times berichtet heute nämlich, dass die Europäische Rundfunkunion (EBU) der ARD vorerst verboten hat, Bilder von den Olympischen Spielen in Peking per Livestream im Internet zu verbreiten.

Was war passiert? Die ARD hat ihre Lizenzrechte an den Olympischen Spielen von der EBU, und die hat sie – natürlich – vom IOC. Dabei hat das IOC mit der EBU und deswegen auch die EBU mit der ARD vereinbart, dass sie etwaige Livestreams im Internet „geografisch blockiert“, also nur für Nutzer freigibt, die sich im jeweils zugeteilten Lizenzgebiet aufhalten. (Wer in Europa schon mal versucht hat, beispielsweise auf hulu.com zuzugreifen, kennt diese Strategie – und weiß vielleicht auch, dass man so eine Blockade zwar umgehen kann, aber nur mit einigem Aufwand.)

Die ARD hätte also ihren Livestream von der Eröffnungsfeier für Internetnutzer außerhalb des EBU-Raums sperren müssen. Hat sie aber dummerweise nicht.

Das Ergebnis: Weltweit konnten die Leute über den ARD-Stream die Eröffnungsfeier live verfolgen – was beispielsweise man bei NBC in Amerika, wo man die Feier nämlich erst um zwölf Stunden zeitversetzt ausgestrahlt hat, nicht eben prickelnd finden dürfte.

War man bei der ARD also zu blöd oder zu arrogant? Wer weiß. (Und wer will das auch wirklich wissen?)

So, und weil das sonst in Deutschland bisher niemand berichtet, musste ich halt wieder ran. So langsam gerät das hier echt zum ARD/ZDF-Watchblog; dabei wollte ich doch eigentlich viel mehr über Mathe, alberne Parteien oder Ikea reden…

Update: Die ARD hat erklärt, es habe sich um eine technische Panne bei einem Dienstleister gehandelt, und das auch nur bei einem Teststream, den nur „findige“ Internetnutzer hätten aufspüren können. Inzwischen läuft wieder alles normal. (Und dieser Artikel hatte, dank der Nichtberichterstattung fast aller anderen deutschsprachigen Medien, übers erste Olympia-Wochenende ziemlich genau 40-mal soviele Besucher wie der nächstbeste Artikel dieses Blogs.)

Beyond Yangon

Verfasst 18. Mai. 2008 von bookhouse boy
Kategorien: Beobachtungen

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Ach, und wo ich gerade dabei bin, auf die ARD einzudreschen: Wie schwer kann es sein, in einer Nachrichtensendung die grundlegendsten Fakten richtig auf die Reihe zu bekommen?

Denn neulich hörte man in einem Korrespondentenbericht des gemeinsamen Korrespondentenstudios der ARD für ihre Radiosender – in diesem Fall bei B5aktuell, dem Nachrichtensender des BR: „In Yangon, der Hauptstadt von Birma…“

Erstens: Die Umbenennungsstrategie der verabscheuungswürdigen birmanischen Militärjunta nicht mitzumachen, ist ja durchaus ein sinnvolles, wenn auch stilles Zeichen der Geringschätzung. Aber dann halten wir das bitte auch durch, ja? Und sagen nicht nur weiterhin „Birma“ statt „Myanmar“, sondern auch „Rangun“ statt „Yangon“.

Und zweitens, einfach mal so: Die Hauptstadt von Birma ist gar nicht Rangun, sondern Naypyidaw.

Das sind mir Experten.