Retcon me. Retcon me now.

Wisst ihr, was ein Retcon ist? Nein? „Retcon“ ist die Abkürzung für „retroactive continuity“ und meint das, was passiert, wenn sich die Autoren einer wie auch immer gearteten fiktionalen Serie (Fernsehen, Comics, Bücher, Filme…) plötzlich entscheiden, dass sie eine ganz tolle Idee haben, die nur leider nicht zu all dem passt, was bisher geschah.

Also ändern sie einfach die Vergangenheit ihrer Geschichte(n), als würde sich niemand daran erinnern. In amerikanischen Seifenopern passiert so etwas ständig: „Wisst ihr noch, wie Jessica 1983 eine Abtreibung hatte… was wäre, wenn sie in Wirklichkeit keine Abtreibung hatte, sondern ihren Fötus in einer experimentellen  Operation in die Gebärmutter ihrer unfruchtbaren Halbschwester einpflanzen ließ, von der bisher noch nie jemand etwas gehört hat… dann könnte sie jetzt einen 25-jährigen Sohn haben! Wäre das nicht eine gute Idee für eine Story?“

Die Geschichte bleibt dabei so eben noch mit einem Finger am äußersten Rande der Plausibilität hängen, denn sonst müsste man sich die Mühe ja gar nicht machen. („Fans, das ist Jessicas erwachsener Sohn. Deal with it.“)

Heute hatte ich dann das Gefühl, als wäre ich selbst in einen kleinen Retcon geraten, und zwar in der Realität. Die Sache ist die: Ich habe letztes Jahr mit einer Hyposensibilisierung begonnen, gegen Birken- und Gräserpollen. Dachte ich jedenfalls. Heute war dann die zweite Runde um. Dachte ich jedenfalls.

Die Arzthelferinnen waren anderer Meinung. „Nein, nein, jetzt kommen ja erst noch die Gräserpollen.“

Ich: „Äh? Die neun Wochen sind doch um?“

„Ja, für die Birkenpollen. Aber jetzt kommen noch die Gräserpollen.“

„Aber letztes Jahr waren es doch auch nur insgesamt neun Wochen?“

„Nein… Sie sind bloß nach den ersten neun Wochen nicht mehr wiedergekommen.“

Da war ich dann erstmal perplex.

Mir war ursprünglich gesagt worden, die Hyposensibilisierung dauere neun Wochen pro Winter. Okay, vielleicht meinte der Arzt, neun Wochen pro Allergen und Winter und hat sich nur blöde ausgedrückt.

Nach neun Wochen habe ich letztes Jahr sicherheitshalber gefragt, ob das das letzte Mal war, was bejaht wurde. Okay, vielleicht meinten sie, das letzte Mal für dieses Allergen.

Als ich die zehnte und elfte Woche nicht zur Behandlung kam, hat sich offenbar niemand gewundert und mal bei mir angerufen. Okay, vielleicht haben sie es erst nicht gemerkt, und dann war der Winter vielleicht auch schon vorbei.

Als ich diesen Herbst zurückkam für die zweite Runde, hat niemand auch nur ein Wort darüber verloren, dass da immer noch mein Gräserallergenpräparat vom letzten Jahr beim Arzt im Kühlschrank liegt. Okay, vielleicht fanden sie das nicht erwähnenswert.

Als ich dem Arzt meinen Allergiekalender gezeigt habe – wofür mir selbstverständlich „Beratung, auch telefonisch“ in Rechnung gestellt wurde – und wir ausgiebig darüber gesprochen haben, dass sich meine Allergien ja schon gebessert haben, ja aber auch wenig Pollen geflogen sind im letzten Sommer, etc. — da hat er sich nicht gesagt, „Ja, wundern Sie sich doch nicht über den Anfall im Juli; Sie sind ja noch gar nicht gegen Gräser hyposensibilisiert.“ Okay, vielleicht war ihm das in dem Moment auch gar nicht klar.

Ist es möglich, dass es so abgelaufen ist? Ja, absolut. Ist es plausibel? Naja.

Klassischer Retcon.

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