Auf halber Strecke nach Peking

Warum sagt eigentlich niemals jemand das, was er eigentlich meint?

Jetzt haben wir zum Beispiel diese ganze unsägliche Debatte über Sport und Politik am Hals, und das ging ungefähr so:

„Die Chinesen sind ziemlich unfreundlich zu den Tibetern, und auch sonst ist es mit den Menschenrechten in China nicht so sonderlich weit her“, sagt das Volk. „Vielleicht sollten wir die Olympischen Spiele in Peking einfach boykottieren.“

Die Sportlervertreter darauf: „Das wäre aber sowas von unfair! Die Athleten – und ihre Sponsoren – haben sich schon so auf die Olympischen Spiele gefreut.“

Darauf das Volk: „Ja, geht’s euch noch gut? Wir haben uns auch drauf ‚gefreut‘! Wisst ihr, was wir allein an GEZ-Gebühren bezahlt haben, um sie uns ohne Werbeunterbrechungen ansehen zu können? Aber manchmal muss man eben Opfer bringen im Dienste einer höheren Sache! Egoisten.“

Der Deutsche Olympische Sportbund springt in die Bresche: „Wir wissen überhaupt nicht, was ihr wollt, Volk! Sport hat doch überhaupt nichts mit Politik zu tun. Das ist ja gerade die große Stärke des Sports.“

Und das Volk: „Wisst ihr was, wenn ihr euch jetzt nur noch in sinnfreien Platitüden ergehen wollt, dann lassen wir die Diskussion eben, und wir nehmen euch einfach eure Fackel weg. Ha!“

Und das IOC: „Hey. Jetzt sind wir eingeschnappt.“

Seufz. Und jetzt stellen wir uns das Ganze nochmal so vor, wie es sich entwickelt hätte, wenn gleich die offenkundige Antwort gegeben worden wäre, die ja ohnehin wie ein weißer Elefant im Raum steht, über den aber niemand reden will.

Also:

Die Chinesen sind ziemlich unfreundlich zu den Tibetern, und auch sonst ist es mit den Menschenrechten in China nicht so sonderlich weit her“, sagt das Volk. „Vielleicht sollten wir die Olympischen Spiele in Peking einfach boykottieren.“

Die Sportlervertreter darauf: „Das wäre aber sowas von unfair! Alles, was wir wollen, sind zwei Wochen, in denen wir unseren Job machen können – angesichts von Hunderttausenden westlicher Unternehmen, die in China das große Geschäft machen und/oder billig produzieren lassen wollen und bei denen kein Schwein daran denkt, ihnen Steine in den Weg zu legen, ist das doch wohl nicht zuviel verlangt? Und im Gegensatz zur Geschäftswelt haben wir uns nicht mal ausgesucht, das Ganze in Peking stattfinden zu lassen.“

Das IOC: „Upps, ja, das waren wir. ‚Tschuldigung dafür.“

Das Volk: „Oh. Hm. Ja, wenn ihr es so erklärt…“

Die Sportler: „Und natürlich sehen auch wir, was in Tibet und sonstwo in China so vor sich geht, und der eine oder andere subversive Protest-vom-Podest wird garantiert stattfinden. Versprochen.“

Das Volk: „Oh, okay, dann viel Erfolg! … Hey, IOC, nicht so schnell, mit dir sind wir noch nicht fertig… !“

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