Dinge, die das Internet nicht weiß (1)

Ich fange mal eine neue Serie-im-Blog an, über Dinge, die man einfach nicht googeln kann – jedenfalls nicht mit einem sinnvollen Ergebnis.

Zum Beispiel Beileidsbekundungen. Ich weiß nicht, ob das wieder eine dieser Sachen ist, mit denen ich allein auf weiter Flur stehe, oder ob Millionen von Bloglesern (nee, klar!) angesichts der nächsten Worte die Augen aufreißen und auf den Bildschirm zeigen werden und rufen: „Ja, genau! Geht mir ganz genau so!“ Aber:

Ich bin völlig unfähig im Aussprechen von Beileid, wenn jemand gestorben ist.

Ich stehe da dann für gewöhnlich und weiß nicht recht, was für einen Tonfall ich anschlagen soll, wie ich mich ausdrücken soll, ob ich emotional sein soll, um zu zeigen, dass es mir nahe geht, oder doch lieber sachlich, um den armen Hinterbliebenen nicht weiter runterzuziehen. Ich neige dann dazu – und ich weiß, dass sich das anhört wie die Handlung einer schlechten Sitcom aus den 90ern, aber ich schwöre, es ist so! – ich neige dazu, einfach drauflos zu plappern, und kann kaum noch aufhöre. Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht eher kondoliert habe oder dass ich taktlose Dinge gesagt habe, als ich noch nicht wusste, das der Verstorbene verstorben war und/oder demnächst sein würde; ich biete auch vergleichsweise wildfremden Leuten meine Hilfe an, „wenn ich irgendetwas tun kann“; ich frage, wenn es ganz schlimm kommt, wie es dem Rest der Familie angesichts dieses Schicksalsschlags geht – natürlich, ohne die Antwort abzuwarten…

Kurz: Es ist eine Katastrophe. Der Amerikaner sagt „train wreck“ dazu: ein vorhersehbares, aber nicht abzuwendendes Desaster.

Okay, irgendwann fange ich mich dann, für gewöhnlich mit den Worten: „Jedenfalls, mein Beileid“, drehe mich schnellstens um und ziehe von dannen. Als hätten die armen Angehörigen nicht schon genug gelitten! Nur trifft mich dann circa fünf Minuten später die Einsicht, was für einen Idioten ich abgegeben habe, mit voller Wucht, und dann stellt sich die Frage der Etikette, bei der das Internet einem auch nicht weiterhelfen kann (um den Kreis zu schließen):

Gehe ich zurück und entschuldige mich für meine Kondolenz-Unfähigkeit?

Ich weiß es nicht. Ich neige dazu, es nicht zu tun – oder jedenfalls nicht so bald. Denn eigentlich würde ich das nur für mich selbst tun, um mich frei von der Schuld zu machen, trauernde Menschen zusätzlich genervt zu haben – und nicht für die von mir vollgelaberten Hinterbliebenen, die zweifellos anderen Gedanken nachhängen als meiner merkwürdigen Beileidsbekundung.

Aber ob das der richtige Weg ist? Keine Ahnung. Denn das Internet, das doch eigentlich mein zuverlässiger Berater in sämtlichen Fragen sein soll, lässt mich hier sträflich im Stich. Auf deutsch un auf englisch.

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