Frag die Frage, Tooske!

Gestern, ein langweiliger Ostersonntag-Nachmittag, ich las ein bisschen und sah nebenbei ein bisschen fern, die Wiederholung von Deutschland sucht den Superstar – dabei kann man hervorragend nebenbei lesen, weil fast nie etwas gesagt wird, das einen aus dem Lesefluss reißen würde. Fast nie.

Denn es war gerade eine der potenziellen Superhupfdohlen mit ihrem Gesang fertig, wurde vom Jurytrio standesgemäß abgewatscht und schritt denn zu Moderatorin Tooske Ragas, um sich ihre Standardfrage abzuholen. Die Frage, die heutzutage alle Moderatoren allen Kandidaten in jeder Art von Wettbewerb stellen, sei es sportlich oder gesanglich oder einfach nur in-einem-Haus-rumhockend:

„Wie fühlst du dich jetzt?“

Aber Frau Ragas entschied sich, einen anderen, etwas effizienteren Weg zu gehen (oder zumindest dachte sie das offenbar). Sie fragte:

„Und?“

Die Kandidatin, verständlicherweise etwas irritiert, fragte zurück: „Und… was?“

Daraufhin Frau Ragas, etwas indigniert: „Na… u-hund – wie fühlst du dich jetzt?“

Mit anderen Worten, Tooske Ragas stellte nicht nur die langweiligste, weil allgegenwärtigste aller Moderatorenfragen; nein, sie ging außerdem davon aus, dass die Gefragte sowie das Publikum ohnehin schon wussten, was sie fragen würde, und wollte es sich daher ersparen, die Frage auch wirklich auszusprechen. Und ganz unrecht hatte sie ja nicht: Natürlich wussten wir alle, was sie fragen würde (und wir konnten uns auch die Antwort schon ganz gut vorstellen). Was sie allerdings übersehen hatte und weshalb sie die Kandidaten aus der Bahn warf und mich aufhorchen ließ, war aber, dass es trotzdem zum inzwischen eingeschliffenen, allseits erwarteten Ritual gehört, die Frage laut zu stellen.

That’s entertainment.

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