Hurra, es ist ein… Blog!

So, nach einiger Übergangszeit ist es nun tatsächlich passiert: kontraintuitiv ist zu einem echten Blog mutiert. Das heißt für die Zukunft: voraussichtlich kürzere, weniger tiefschürfende (hah!) Einträge, wohl etwas mehr persönlicher Kram, das etwas langweilige standardisierte Layout von LiveJournal (zumindest solange, bis ich deren komische Designsprache verstanden habe), und jedes Jahr eine Forderung von $20 auf meiner Kreditkartenrechnung.

„Wie kommt’s?“ werdet ihr fragen. (Oder vielleicht auch nicht. Aber noch lest ihr weiter.)

Zunächst mal sind in letzter Zeit die Beiträge auf kontraintuitiv immer seltener geworden. Das liegt teilweise daran, dass mir viele potenzielle Beitragskandidaten nach gründlicher Betrachtung als nicht substanziell genug erschienen. Von meiner angeborenen Faulheit begünstigt, wurden solche Entscheidungen immer häufiger.

Manchmal hatte ich auch eine wirklich coole Idee für einen Artikel, aber dann bin ich drüber weggekommen und schließlich hatte ich schon wieder die Hälfte vergessen, als ich dann endlich vorm Computer saß. Man könnte natürlich auch sagen, so eine Zeitverzögerung ist eine hervorragende Qualitätskontrolle, die ich öfter hätte walten lassen sollen.

Kurzum: Mir dünkt, die Ansprüche an ein Blog, deutlich als solches kenntlich gemacht, sind etwas niedriger als an eine Designte-Website-mit-Artikeln, ergo geringere Barrieren, um tatsächlich mal was zu schreiben. Plus: Es ist auch noch wirklich weniger kompliziert in der Erstellung.

Zudem werde ich – wenn es mir gelingen sollte, ein Mindestmaß an Disziplin an den Tag zu legen – meine Zeitbüdget für kreatives Schreiben in nächster Zeit stark anderweitig einsetzen: Ich habe beschlossen, mal ernsthaft an ein Projekt heranzugehen, über das ich schon lange rede – meinen ersten Roman.

Jau: Ich will versuchen, den Großen Deutschen Roman Des Einundzwanzigsten Jahrhunderts zu schreiben. Oder zumindest irgendwas, das mindestens 300 Seiten und eine Handlung hat. Ich bin jetzt zirka auf Seite 30, und ich kann euch sagen, das ist gar nicht so einfach.

Wer mich kennt, wird jetzt sagen: Aber du wolltest doch immer Drehbücher schreiben. Stimmt. Aber das Blöde an Drehbüchern ist, dass, nachdem du eins geschrieben hast, jemand unglaublich viel Geld reinstecken muss, damit darauf ein fertiges „lesbares“ (= anschaubares) Produkt wird. Dementsprechend schwer ist es – erst recht als Quereinsteiger -, jemanden davon zu überzeugen, dass gerade deine Idee geschnitten Brot in den Schatten stellen wird.

Im aktuellen Fall war es so, dass mein jüngster/letzter Versuch erstmals etwas war, dass mir selbst wirklich, wirklich, wirklich gefiel: Ich selbst wollte das gern im Fernsehen sehen! So gut war es. Fand ich.

Eine Produktionsfirma, zwei private und drei öffentlich-rechtliche Fernsehsender fanden das nicht.

Und als wäre das nicht schon frustrierend genug, waren die Inhalte der Ablehnungsschreiben ein deutlicher Hinweis darauf, dass ich in Deutschland nie ein Drehbuch würde verkaufen können, das mir selbst und einem Käufer gefällt. Verkürzt gesagt: In Deutschland musst du entweder Hallo Robbie pitchen oder Heimat. Dazwischen ist wenig Platz.

Es ging in meinem Script, grob gesagt, um drei unabhängige, junge Lokalpoliktiker, die versuchen, sich gegen den Filz und die eingefahrene Denke der „alten Hasen“ durchzusetzen; das ganze war angelegt als normale Serie mit fortlaufender Handlung und zunächst einem Piloten und 13 Episoden.

Was bekam ich nun also so an Reaktionen zurück?

Ein Redakteur bemängelte beispielsweise, dass ich einen großen Erzählbogen, der sich parallel zu vielen abgeschlossenen Geschichten über die gesamten ersten 13 Episoden ziehen sollte, erst in der zweiten Folge starten wollte. (Eine bewusste Entscheidung von mir, weil ich genug damit zu tun hatte, drei Hauptfiguren und fünf Nebenfiguren in 40 Minuten einzuführen.)

Zudem war er nicht damit glücklich, dass ich diesen Erzählbogen am Ende der Staffel mit einem Cliffhanger beenden wollte – nicht, weil er etwas gegen Cliffhanger gehabt hätte, sonden weil er „als Lektor“ schließlich wissen müsste, wie es weitergehen würde. (Ich sollte also für eine noch nicht existierende Serie gleich eine zweite Staffel planen sollen?)

Ein Redakteur stöte sich daran, dass in einer Episode eine Bäuerin Ärger mit den Nachbarn bekommt, weil sie eine Mobilfunkmast auf ihrem Hof aufstellen lässt. „Die Protestwelle legt sich doch langsam, da eh jeder ein Handy benutzt“, hieß es in der Absage. Offenbar war diese Redakteur lange nicht mehr auf dem platten Land und hat die Traktor-Hänger mit den großen „Die Handy-Strahlen töten unsere Kinder“-Aufstellern mit den Blitzen und Totenköpfen gesehen, die da so rumstehen.

Ein öffentlich-rechtlicher Sender sorgte sich darum, dass meine Protagonisten sich noch so sehr würden dahinter verstecken können, einer freien Wählergemeinschaft anzugehören; ihre Gesinnung würde immer durchscheinen (und sie damit ungeeignet für das öffentlich-rechtliche Proporzdenken machen).

Abe zwei Kommentare liegen Kopf an Kopf im Rennen um den Preis für den deprimierendsten:

Eine Redakteurin beschwerte sich darüber, dass eine Handlung (von zwei Handlungen insgesamt) in meinem Pilot-Script überhaupt nur aus drei Szenen bestünde, weshalb die Hintergründe nicht klar würden. Dabei ging es um eine Kindergärtnerin, die als Hobby erotische Geschichten schreibt und „erwischt wird“. Einer meiner Protagonisten nimmt Kontakt mit der Kindergärtnerin auf (Szene 1) und schleicht sich daraufhin bei einem Elternabend ein, wo er sich für sie einsetzt (Szene 2). Am Ende stellt sich heraus, dass seine Fraktionsvorsitzende die Kindergärtnerin dazu gebracht hat zu kündigen, um andernorts erneut anzufangen.

Erstens: Ja, dies Handlung ist kürzer als die andere Handlung. Das nennt man eine B-Story. Zweitens: Ja, es passieren Dinge hinter den Kulissen. Das erfordert vom Zuschauer ein Minimum an Aufmerksamkeit und Mitdenken. Wer weiß, vielleicht würde ihm das ja sogar Spaß machen? Drittens: Was diese Redakteurin komplett übersehen hatte, war, dass die Kindergärtnerin-Story nur Teil einer emotionalen Reise für den Protagonisten war, die sich in drei weiteren Szenen manifestiert: Seine Frau, eine Grundschullehrerin, wünscht sich nämlich ein Kind, was ihm im Laufe der Episode klar wird.

Den Vogel abgeschossen hat aber ein anderer Sender. In meinem Piloten allein hat eine Protagonistin einen One-Night-Stand mit einem völlig Fremden, eine Kindergärtnerin schreibt Softpornos (s. o.), und das Wort „scheiße“ kommt immerhin fünfmal vor. Dennoch schrieb mir diese Sender: „Ähnliche Geschichten werden in bestehenden Formaten zwischen Bürgermeister Fritz Wepper und der engagierten Nonne Jutta Speidel bereits sehr liebevoll umgesetzt und erfolgreich erzählt.“

Jutta? Speidel?!? Was zur Hölle?

Egal. Wenn du gesagt bekommst, dass dein Script Um Himmels willen ähnelt, dann weißt du, dass es Zeit ist umzusatteln.

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