Idioten auf der Autobahn

Als ich diese Seiten konzipiert habe (ja, es gibt ein Konzept! Hätten Sie nicht gedacht, oder?), da habe ich mir fest vorgenommen, dass ich sie nicht zu einem reinen Blog verkommen lasse. [„Naja, das hat fast vier Jahre lang gehalten!“ – Nachtrag, Feb. 2007] Ich würde interessante Ideen und nette Geschichten hier aufschreiben und nicht bloß die veröffentlichte Chronik meine langweiligen Tage präsentieren.

Okay, vergessen Sie das bitte für eine Weile, denn heute muss ich mich einfach mal aufregen.

Darum ist es mir wichtig, auf eins hinzuweisen: Was ich hier schreibe, ist oft fiktionalisiert – Dinge werden hinzugefügt, weggelassen, interessanter gemacht, Personen und Orte verändert, und so weiter. Was ich jetzt beschreibe, ist aber ausnahmsweise genau so passiert, und im Notfall würde ich einen Eid darauf leisten.

Ich fuhr also heute über die Autobahn, die A95, zweispurig, mit zirka 150 km/h auf der linken Spur, überholte zwei, drei Fahrzeuge, bis ein anderer Teilnehmer von hinten zu mir aufschloss und vielleicht 30 Meter Abstand hielt. Das kam mir bei 150 km/h Reisegeschwindigkeit dann doch ein bisschen wenig vor, so dass ich sekundenbruchteilslang auf die Bremse tippte, um meinen Verfolger wissen zu lassen, dass ich im Interesse der Verkehrssicherheit doch um etwas mehr Abstand bitten würde.

Daraufhin verringerte der den Abstand etwa um die Hälfte. Idiot!

Nun sind mir mein Leben und mein Auto doch wichtiger als mein Stolz, so dass ich nach dem nächsten überholten Auto wieder auf die rechte Spur wechselte, um den Idioten vorbei zu lassen. Während ich noch meinen Kopf kurz nach links wandte, um ihm anzudeuten, wie bescheuert ich sein Verhalten finde, sah ich auch schon, wie er mir spöttisch zuwinkte: „Dich hab ich ja wohl klein gekriegt.“ Und seine Begleiterin auf dem Beifahrersitz grinste überheblich. Idioten.

Aber dann: Zieht der Kerl nach rechts rüber, bevor er vollständig an mir vorbei ist! Von der Straße gedrängt – sowas kenne ich ja sonst nur aus amerikanischen Krimis! Wenn ich nicht sofort gebremst hätte und auf den Standstreifen ausgewichen wäre, hätte er mich gerammt! Was. Für. Ein. Idiot!

Tja. Und nun sitze ich hier und anstatt den Idioten wegen verkehrsgefährdenden Verhaltens anzuzeigen, schreibe ich meinen kleinen Text und übe mich in Introspektion. Bin ich nur so wütend, weil ich Rache will, oder habe ich eigentlich hehrere Motive, habe ich beispielsweise die Sicherheit der Allgemeinheit im Sinn? Kann man „hehr“ überhaupt steigern – „hehr, hehrer, am hehrsten“? Bin ich ein Weichei, ihn nicht anzuzeigen? Oder bin ich ein Realist, weil er doch zu zweit war und ich allein und zeugenlos bin?

Fragen über Fragen. Alles, was mir bleibt, ist, alle meine Leser vor der silbergrauen Limousine mit dem Kennzeichen M-WR 15 zu warnen. Und auf die Macht der Presse zu vertrauen…

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